Dreiklang Klimaschutz, Wirtschaft und Sicherheit
Andreas Jung und Jörg Dürr-Pucher beim CDU-Stadtverband Radolfzell
Um die Energiepolitik der CDU und das Energiekonzept, das im Herbst im Bundestag verabschiedet werden soll, ging es in einer Veranstaltung des Radolfzeller CDU-Stadtverbandes mit dem Bundestagsabgeordneten Andreas Jung und dem Präsidenten der Bodenseestiftung Jörg Dürr-Pucher. „Bis 2050 ist es möglich, den Strombedarf in Europa insgesamt mit regenerativen Energien abzudecken", zitierte die CDU-Stadtverbandsvorsitzende Cornelia Bambini-Adam eingangs eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey, die im April veröffentlicht wurde. Die Frage laute, wie der Weg dazu in Deutschland aussehen könne.
„Ein Energiekonzept muss sich an globalen und nationalen Klimaschutzzielen orientieren und klare Vorgaben machen", verdeutlicht Jörg Dürr-Pucher den Standpunkt aus Sicht der Naturschutzorganisation „Bodenseestiftung". Keine neuen Kohlekraftwerke und ein sofortiges Abschalten der älteren Atomkraftwerke mit niedrigen Sicherheitsstandards lauten seine Forderungen, die er mit dem Satz „Kein Ausstieg aus dem Ausstieg" unterstreicht. Stattdessen müsse ein deutlicher Ausbau der erneuerbaren Energien erfolgen. Zu erreichen sei dies über regionale, dezentrale Energieversorgungskonzepte, Offshore Windkraftanlagen sowie das Desertec-Projekt mit Solarkraftanlagen in Nordafrika und Südeuropa. Wie eine funktionierende, regionale Energieversorgung aussehen kann, erläuterte Dürr-Pucher unter anderem am Beispiel der zehn Bioenergiedörfer in der Bodenseeregion. Neben Strom und Wärme sei zudem die regionale Wertschöpfung mit 20 Millionen Euro von großer Bedeutung.
„Konjunktur durch Natur" - unter dieser Überschrift ist auch Andreas Jung seit mehreren Jahren im Landkreis Konstanz unterwegs und setzt sich für eine nachhaltige Energiepolitik vor Ort ein. „Energie muss sicher, sauber und bezahlbar sein", formuliert der Bundestagsabgeordneter seinen Anspruch an das kommende Energiekonzept. Dabei steht für den Politiker, wie bei seinem Vorredner, der Klimaschutz an erster Stelle. Als Vorsitzender des Beirates für Nachhaltige Entwicklung zeigt er sich von den Ergebnissen der Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen enttäuscht. „Die beteiligten Staaten haben zwar erkannt, dass der globale Temperaturanstieg auf unter 2 Grad Celsius begrenzt werden sollte, verbindliche Vereinbarungen gab es jedoch keine", berichtet Jung. Klar sei aber, dass alle Maßnahmen die jetzt getroffen werden, den Schaden in der Zukunft begrenzten und somit auch in wirtschaftlicher Hinsicht notwendig seien. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien müsse zudem Energie effizienter eingesetzt und vermehrt eingespart werden, schloss sich Jung den Aussagen Dürr-Puchers an.
Andreas Jung erläuterte seine Haltung zu der Frage einer Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke. Aufgrund der kritischen Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Umgang und der Endlagerung von radioaktivem Material stellten, sei er der Meinung, dass so schnell wie möglich Alternativen zur Kernenergie geschaffen werden müssten. Ein Ausstieg ohne umweltfreundliche Alternativen sei jedoch nicht vertretbar.
„Bei einem Anteil der erneuerbaren Energien von heute rund 16 Prozent an der Stromversorgung werden ohne Laufzeitverlängerung fossile Energien, wie Kohlekraftwerke, den Wegfall ersetzen. Aber gerade die sind mit für den Klimawandel verantwortlich", sagt Andreas Jung. Zur Diskussion um die Festlegungen im Energiekonzept macht er deutlich, dass er gegen eine Laufzeitverlängerung um Jahrzehnte kämpfen werde. Außerdem müssten Energiekonzerne, die Kernkraftwerke einige Jahre länger laufen lassen, die Hälfte ihrer zusätzlichen Gewinne an den Staat abgeben: „Diese Mittel müssen in die Forschung für erneuerbare Energien fließen und werden benötigt, um offene Fragen, wie die der Energiespeicherung, zu klären". Durch ein solches Konzept könne man beim Ersetzen der Kernenergie durch erneuerbare Energien schneller werden. Eines stellte Andreas Jung jedoch ganz klar: „Die Sicherheit steht an erster Stelle. Für einen Reaktor, der die Anforderung nicht erfüllt, kann es keine Laufzeitverlängerung geben."